Sammlung Prinzhorn
Surrealismus und Wahnsinn

Von 26.11.2009 - 14.02.2010 findet in der Sammlung Prinzhorn begleitend die Ausstellung „Surrealismus und Wahnsinn“ statt.

 

„Surrealismus und Wahnsinn“ umfasst rund 120 Bilder, Zeichnungen, Druckgraphiken und Schriften. Surrealistische Werke werden Arbeiten aus der Sammlung Prinzhorn gegenübergestellt.

Die Sammlung Prinzhorn als Inspirationsquelle der Surrealisten

 

Die Sammlung Prinzhorn an der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg geht auf das Sammelprojekt des Kunsthistorikers und Arztes Hans Prinzhorn (1886–1933) zurück. In den Jahren 1919-21 trug er rund 4500 Werke von Anstaltsinsassen aus ganz Deutschland zusammen. Prinzhorns 1922 erschienenes Buch “Bildnerei der Geisteskranken” brachte Max Ernst noch im Erscheindungsjahr nach Paris und machte es dort im Kreis der Surrealisten bekannt.
Es wurde zur „Bibel der Surrealisten“, die vielen Künstlern als Inspirationsquelle diente. In der Ausstellung kann der Betrachter Bildvergleiche anstellen, unter anderem anhand von Gegenüberstellungen von August Natterer und Max Ernst, August Klett und Hans Bellmer oder Salvador Dalí und Carl Lange.

Vergleich von gestalterischen Verfahrensweisen

 

Die gestalterischen Verfahrensweisen zeigen auffällige Analogien, seien es die automatischen Zeichnungen von André Masson, die man in Schriftbildern der Anstaltskunst vorweggenommen sieht, oder die von Dalí angewandte paranoisch-kritische Methode, die Doppel- und Mehrfach-Bedeutungen erzeugt, wie sie sich auch in Werken der Sammlung Prinzhorn finden.
Max Ernst war besonders an der Kombination von Heterogenem interessiert, ein Verfahren, das Prinzhorn als charakteristisch für Patientenwerke in seiner „Bildnerei der Geisteskranken“ beschreibt. Auch der Reiz der surrealistischen Kollektivzeichnungen („cadavre exquis“), liegt in der zufälligen Kombination heterogener Bildanteile.

Rekonstruktion der Ausstellung von 1929 in der Pariser Galerie Max Bine

 

Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich der Teil-Rekonstruktion einer Ausstellung, die 1929 in der Pariser Galerie Max Bine stattfand und Werke aus verschiedenen Sammlungen französischer Psychiater sowie Werke aus der Sammlung Prinzhorn zeigte. Die Rekonstruktion gibt einen Eindruck davon, welche Werke die Surrealisten nicht nur aus Prinzhorns Publikation kannten, sondern im Original sehen konnten. Die Pariser Galerie-Ausstellung wurde damals mit großem Interesse verfolgt. Die Presse bezeichnete die Werke der „Verrückten“ provozierend als die „wahre Avantgarde“.

Die „Bildnerei der Geisteskranken“  als Avantgarde der Kunst?

 

Nicht nur deshalb kam die Vermutung auf, dass die Surrealisten die „Wahnsinnigen“ um ihre Freiheit und ihre Erfahrungen mit psychischen Grenzsituationen geradezu beneideten. André Breton, die Leitfigur des französischen Surrealismus, bezieht sich in seinen Schriften und Manifesten wiederholt explizit auf den klinischen Wahnsinn als künstlerische Inspirationsquelle. Im Ausstellungskatalog werden verschiedene Texte zu diesem Thema erstmals übersetzt publiziert und zur Diskussion gestellt.

Unica Zürn im Kabinett

Ein weiterer Abschnitt der Ausstellung befasst sich mit dem ‚wirklichen’ Erleben von Wahnsinn mancher Surrealisten bzw. dem Hospital de St. Anne. Ein Kabinett der Ausstellung ist in einer Art Retrospektive in nuce der künstlerischen Entwicklung von Unica Zürn, Lebensgefährtin Hans Bellmers, gewidmet, die seit den frühen 60er Jahren immer wieder in psychiatrischer Behandlung war und sich 1970 das Leben nahm.

 

Zu sehen sind Werke von Aloïse, Meta Anderes, Hermann Behle, Hans Bellmer, Else Blankenhorn, Salvador Dalí, Max Ernst, Albert G., Karl Genzel, Miguel Hernandez, Oscar Herzberg, Jacob Hürtter, Regina Klein, August Klett, Carl Lange, Le Numismate, Le Voyageur Français, Edouard Lucien, Heinrich M., André Masson, P. Auguste Merle, Peter Meyer, Heinrich Anton Müller, August Natterer, Clemens von Oertzen, Guillaume Pujolle, Joseph Schneller, Malvine Schnorr von Carolsfeld, Otto Stuß, Yves Tanguy, Marcel Duhamel, Max Morice, André Breton, Oskar Voll, Hyacinth Freiherr von Wieser, Ludwig Wilde, Adolf Wölfli, Unica Zürn

 

Sammlung Prinzhorn

Voßstraße 2
D-69115 Heidelberg


Tel: +49 6221 56-4492
Fax: +49 6221 56-1723
E-Mail prinzhorn [at] uni-heidelberg [dot] de
www.prinzhorn.uni-hd.de

 

Öffnungszeiten Di, Do-So 11-17 Uhr, Mi 11-20 Uhr

Am Sa. 13.02.2010 ist bis 24 Uhr und am So. 14.02.2010 bis 22 Uhr geöffnet.


Eintritt regulär 5.- €, ermäßigt 3.- €


Öffentliche Führungen sonntags um 14 Uhr und mittwochs um 18 Uhr.

Am Sa. 13.02.2010 öffentliche Führungen um 17 Uhr, 20 Uhr und 22 Uhr.


Der Katalog zur Ausstellung erscheint in Deutsch und Englisch, mit Beiträgen von Peter Bürger, Peter Gorsen u.a., im Heidelberger Verlag „Das Wunderhorn“.

 










Max Ernst - Das Innere der Sicht (Ödipus), 1931
Max Ernst
Das Innere der Sicht (Ödipus), 1931
Max-Ernst-Sondernummer der Cahier d’art, Paris 1937, Umschlag
© Sammlung Prinzhorn, Heidelberg

August Natterer - Der Wunderhirte, vor 1919
August Natterer
Der Wunderhirte, vor 1919
Bleistift, Wasserfarbe auf Aquarellkarton 245 x 195 cm
© Sammlung Prinzhorn, Heidelberg

Unica Zürn - Die verzauberte Prinzessin, um 1950
Unica Zürn
Die verzauberte Prinzessin, um 1950
Aquarell auf Papier 37 x 26 cm
© Sammlung Dammann, Münsterlingen

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung
© Sammlung Prinzhorn, Heidelberg