Kunstverein Ludwigshafen am Rhein
Fotografie
Die surrealistische Fotografie in Paris und Prag
Die Ausstellung im Kunstverein Ludwigshafen widmet sich ausschließlich der surrealistischen Fotografie in Paris und Prag. Das Medium nahm innerhalb der surrealistischen Bewegung in beiden Städten einen wichtigen Stellenwert ein und war von Anfang an in den Ausstellungen, Publikationen und den wichtigen Zeitschriften der Surrealisten vertreten. Bereits in der ersten Nummer von „La Révolution surréaliste“ erschienen Fotografien von Man Ray.
Diente die Fotografie bis zu diesem Zeitpunkt im Wesentlichen dazu, die Wirklichkeit abzubilden, so waren die Surrealisten die ersten, die sich das Medium zur Erkundung des Geheimnisvollen in der Welt, des magisch Rätselhaften im Alltäglichen zu eigen machten. Die Ausstellung zeigt, wie sich die Künstler als Pioniere auf einem neuen, unbekannten Terrain bewegten und eine unüberschaubare Fülle unterschiedlichster Werke voller geheimnisvoller, überraschend irritierender Momente schufen. Die präsentierten Fotografien zeugen von großer Experimentierfreude und dokumentieren die Entwicklung innovativer fotografischer Verfahren. Diese neuen Techniken hatten das Ziel, das Alltägliche rätselhaft und magisch und Vertrautes fremd darzustellen, um Verborgenes zu entdecken und mehrdeutig lesbar zu machen. In der Ausstellung sind auch Werke von Künstlerinnen wie Dora Maar, Claude Cahun und Lee Miller zu sehen. Sie nutzten eifrig die neuen Freiräume und Entwicklungsmöglichkeiten, die das noch relativ junge Medium Fotografie jenseits traditionell besetzter männlicher Domänen bot.
Fotografische Experimente
Eine herausragende Stellung in Paris nahm Man Ray ein. Er hat mit den von ihm entwickelten Mitteln der inszenierten Fotografie, der Rayografie, und der Solarisation Aufsehen erregende Bilder geschaffen und für die Entwicklung und Anerkennung der surrealistischen Fotografie einen entscheidenden Beitrag geleistet. Große Beachtung fanden seine Rayografien, die bereits 1923 in Prag ausgestellt wurden. Die tschechischen Künstler Jindřich Štyrský, Toyen und Karel Teige hielten sich schon in den 1920er Jahren mehrfach in Paris auf und standen in regem Kontakt mit André Breton. Ohne Zweifel entwickelte sich in Prag eine der originellsten Facetten surrealistischer Fotografie. Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei die Fotocollage und die Fotomontage ein. Besonders Jindřich Štyrský, Karel Teige und František Vobecký beherrschten diese Techniken meisterhaft und haben Unvergleichliches geschaffen.
Ausstellungskonzeption im Kunstverein
In der Ausstellung im Kunstverein Ludwigshafen werden über 180 Fotografien sowie zahlreiche Zeitschriften und Bücher präsentiert. Bei den hochkarätigen Leihgaben handelt es sich überwiegend um Vintage-Fotografien, die aus renommierten privaten und öffentlichen Sammlungen des In- und Auslands stammen. Die erstmalige Gegenüberstellung beider Strömungen sowohl in Paris wie in Prag, zeigt überraschende Querverbindungen sowie spezifische Unterschiede und macht die Vitalität und Innovation beider surrealistischer Bewegungen noch einmal besonders deutlich. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung den Einfluss der surrealistischen Fotografie auf das künstlerische Werk von Erwin Blumenfeld, der als Modefotograf in den 1940er und 1950er Jahren in den USA mit seinen ungewöhnlichen Aufnahmen sehr erfolgreich war.
Zwischen den im Wilhelm-Hack-Museum und im Kunstverein gezeigten Exponaten kommt es zu äußerst vielfältigen Bezügen. Viele Künstler (u. a. René Magritte, Hans Bellmer, Toyen und Jindřich Štyrský) entdeckten für ihre künstlerische Arbeit die Fotografie. Sie beschäftigten sich neben der Malerei und Bildhauerei eingehend mit dem damals relativ „neuen“ Medium und räumten ihm einen ebenso wichtigen Stellenwert ein.
Werke von
Eugène Atget, Herbert Bayer, Hans Bellmer, Erwin Blumenfeld, Jacques-André Boiffard, Brassaï, André Breton, Claude Cahun, Jaromír Funke, Miroslav Hák, Jindřich Heisler, Georges Hugnet, , Herbert List, Éli Lotar, Dora Maar, René Magritte, Man Ray, Emila Medková, Lee Miller, Jean Painlevé, Roger Parry, Vilém Reichmann, Jindřich Štyrský, Hugo Táborský, Karel Teige, Raoul Ubac, František Vobecký, Václav Zykmund




